Gesetze

OLYMPUS DIGITAL CAMERABeim Umbau der Abgasanlage müssen einige gesetzliche Vorschriften erfüllt werden. Die beiden wichtigsten Aspekte sind die Einhaltung vorgegebener Emissions- und Lautstärkewerte. Natürlich fällt der Klang und damit verbunden die Lautstärke einer Klappenauspuffanlage im offenen Zustand im Vergleich zur serienmäßig verbauten Abgasanlage höher aus. Der Gesetzgeber schreibt Grenzen im Bereich von 87-93 Dezibel (dB) vor, die eingehalten werden müssen. Zudem muss bzw. sollte das Fahrzeug auch die Abgasuntersuchung bestehen, da ansonsten der TÜV nicht ausgestellt werden kann, wodurch die ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) des Fahrzeugs erlischt. Geprüft werden hierbei die Emission diverser Kohlenstoffverbindungen und Stickoxide per OBD-Diagnose (On-Board-Diagnose) für alle Fahrzeuge, die ab dem 01.01.2006 zugelassen wurden.

Die Unterschiede zwischen EG, ECE, EWG, ABE, ABG, TÜV, TGA, EBG, BE und E-Nummer

An erster Stelle steht die ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis), welche die technischen Daten eines Fahrzeugs (Hubraum, Leistung, Abgasverhalten) spezifiziert. Die Automobilhersteller müssen ihre Modelle vor der Markteinführung bei einer offiziellen Prüfstelle (TÜV, Dekra) vorführen, damit das Fahrzeug eine BE (Betriebserlaubnis) erhält. Wird nun durch den Kunden beispielsweise ein Sportauspuff mit einer ABE verbaut, so entspricht dieses Bauteil den Vorschriften, welche die Komponente Abgasanlage an diesem speziellen Fahrzeug erfüllen muss. Sprich, das Fahrzeug behält seine ABE und eine Abnahme des Sportauspuffs beim TÜV bzw. eine Eintragung in die Fahrzeugpapiere ist nicht notwendig. Wichtig ist allerdings, dass auf der Abgasanlage ein E-Prüfzeichen eingeprägt, eingestanzt, angeschweißt oder anderweitig befestigt ist. Diese sich aus Zahlen und Buchstaben zusammensetzende Kennzeichnung findet sich auch in der ABE des Bauteils wieder, wodurch sich das Bauteil klar identifizieren lässt. Offiziell benötigt man für Komponenten mit E-Kennzeichen keine ABE. Dennoch legen die meisten Hersteller eine ABE bei, um im Falle einer Kontrolle nachweisen zu können, dass das Bauteil eine Straßenzulassung besitzt. Daher wird besonders bei auffälligen Komponenten (z.B. lauter Sportauspuff) empfohlen, die ABE im Auto mitzuführen.

ECE, EG und EWG Genehmigung können ohne Eintragung und TÜV-Abnahme verbaut werden

BMW M6 Auspuff SerieDas ECE-Prüfzeichen (ECE steht für Economic Commission for Europe oder Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen) ist dasselbe wie die E-Kennung. Mit diesem werden Bauteile gekennzeichnet, die nach den ECE-Richtlinien geprüft wurden. Die Kennzeichnung besteht dabei aus einem Kreis mit einem großen „E“ und der Nummer des Staates, der die Genehmigung erteilt hat (1 für Deutschland, 12 für Österreich, 14 für die Schweiz). Bauteile, die eine ECE-Genehmigung enthalten, dürfen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den anderen teilnehmenden Ländern ohne weitere Eintragung verwendet werden. Bauteile die eine EG-Genehmigung oder eine EWG-Betriebserlaubnis (EWG entspricht der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft) besitzen, sind nach europäischen Richtlinien homologiert und benötigen keine Eintragung oder Abnahme. Das EG-Prüfzeichen besteht aus einem kleinen „e“ mit der Nummer des Landes in einem rechteckigen Kasten. Der einzige Unterschied zur ECE ist der, dass in der ECE-Gemeinschaft auch Ländern enthalten sind, die nicht zur europäischen Union gehören. In der Schweiz reichen jedoch auch die EG/EWG-Standards. Je nach Sportauspuff ist es aber ratsam beim Hersteller nach einer Unbedenklichkeitsbescheinigung oder einer CH-Typengenehmigung zu fragen. Abgasanlagen mit ABE-Typkennzeichen sind offiziell nur in Deutschland zugelassen, sofern kein EG/EW/ECE-Prüfzeichen vorliegt, da die ABE eine nationale Vorschrift ist.

Bei einem Teilegutachten/Einzelabnahme entstehen zusätzliche Kosten für TÜV und Eintragung

Neben der ABE existieren auch noch die ABG-Regelungen (Allgemeine Bauartgenehmigung). Auspuffanlagen die eine über ABG verfügen, benötigen meistens keine Änderungsabnahme, außer sie wird in der Genehmigung extra gefordert. Zu beachten gilt, dass die ABG nur für bestimmte Modelle gültig ist und daher vor dem Kauf überprüft werden sollte, ob diese auf das eigene Fahrzeug zutrifft. Besitzt eine Klappenanlage hingegen ein Teilegutachten (TGA), so ist eine Begutachtung beim TÜV/Dekra bzw. einer offiziell anerkannten Prüfeinrichtung (FKÜ, KÜS, GTÜ) notwendig. Der ordnungsgemäße Ein- oder Anbau wird mit einer Anbaubescheinigung bestätigt (Kosten: 40-80 €). Diese muss mitgeführt werden. Ist eine sofortige Berichtigung der Fahrzeugpapiere in der Änderungsabnahme nötig, so muss dies auch in der Anbaubescheinigung vermerkt werden. Gleiches gilt für Fahrzeugteile mit TÜV Teilegutachten. Auch hier wird eine Begutachtung beim TÜV/Dekra fällig. Die Bescheinigung, in Form einer Eintragung nach StVZO §19.3, garantiert den Erhalt der Betriebserlaubnis (BE) des Fahrzeugs. Besitzt ein Bauteil keine TGA/TÜV Gutachten oder werden mehrere Komponenten (z.B. Fächerkrümmer/Downpipes, X-Pipes, Ersatzrohre, Endschalldämpfer) miteinander kombiniert, deren in der TGA beschriebene Voraussetzungen durch die Kombination nicht mehr erfüllt werden, so ist eine Einzelabnahme (Kosten: 100-200 €) notwendig. Bei erfolgreicher Abnahme der Veränderungen wird eine Einzelgenehmigung (EBG) erteilt. Diese muss zwingend beim TÜV/Dekra erfolgen. Ebenfalls ist eine Eintragung in die Fahrzeugpapiere bei der Zulassungsstelle vorzunehmen. Eine Erläuterung des Messverfahrens für die Geräuschermittlung von Abgasanlagen, liefert folgendes Video. Dieses geht ebenso darauf ein, wie eine Klappenabgasanlage gesteuert werden muss, damit sie legal gefahren werden darf und ihren technischen Zweck (Reduzierung des Abgasgegendrucks und des Hitzestaus) erfüllt.

Die zwei Gruppen von Sportauspuffanlagen

Man unterscheidet zwei Typen von Sportabgasanlagen. Die erste Variante nennt sich „Gruppe A“ und bedarf keiner Einzelabnahme durch den TÜV. Wurde die Anlage ordnungsgemäß durch einen Fachbetrieb eingebaut, so erfolgt lediglich eine Sichtprüfung, ob alles richtig montiert wurde und keine Teile locker sind. Diese Anlagen wurden bereits vor deren Marktrelease ausgiebig vom TÜV begutachtet und erhielten eine ABE Bescheinigung. Dieses Dokument erlaubt den Betrieb mit der modifizierten Anlage und sollte im Handschuhfach mitgeführt werden. Eine Eintragung in die Fahrzeugpapiere bleibt aus. Entspricht ein vorgefertigter Endschalldämpfer oder eine komplette Abgasanlage, die direkt geordert werden kann nicht den Normen des TÜV, so wird dies von seriösen Herstellern bereits auf der Website angegeben. Zusätzlich sollten die Details in Sachen Zulassungsfähigkeit vor dem Kauf nochmal mit dem Hersteller abgeklärt werden.

Anders bei „Gruppe N“

Audi TT-RS KlappenauspuffWurde die Anlage als Einzelstück für ein spezielles Fahrzeug angefertigt, so muss sie beim TÜV vorgeführt werden. In den meisten Fällen sind solche Klappenanlagen nicht zulassungsfähig, da sie die Lautstärkevorschriften bei geöffneter Klappe nicht erfüllen. Oftmals werden zusätzlich die Vorkatalysatoren entfernt, wodurch das Fahrzeug die Emissionsgrenzen überschreitet. Für einen solchen Wagen erlöscht der TÜV und damit die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE). Ohne diese entfällt auch der Versicherungsschutz. Da die Abgasgrenzen nicht mehr eingehalten werden, aber trotzdem nur ein günstiger Kfz-Steuersatz entrichtet wird, droht im schlimmsten Fall der Vorwurf der Steuerhinterziehung.

Nur in Einzelfällen können Tuner mit Sportmetallkatalysatoren die strengen Abgasvorschriften einhalten und so die Anlage zulassungsfähig machen. Daher sollte bereits vor dem Kauf die Information herangezogen werden, ob das Abgassystem TÜV-fähig ist. Bei einem Mischsystem, also z.B. der Kombination aus einem zugelassenen Klappenendschalldämpfer und einer nicht zulassungsfähigen Downpipe (Vorkatersatzrohr) erlischt der TÜV für die komplette Abgasanlage und damit für das gesamte Fahrzeug.

In Deutschland gibt es strenge Vorschriften

Es wird davon abgeraten mit Tricks zu arbeiten, um die Abgasprüfung zu bestehen. Sollte man erwischt werden, kann es zur einer Strafanzeige kommen. Auch vor ausgeräumten Vorkatersatzrohren, Mittelschalldämpfern und Endtöpfen sei gewarnt. Die Investition in einen zertifizierten Betrieb, der eine zulassungsfähige regelbare Klappenauspuffanlage anbieten und verbauen kann, lohnt sich hier sehr. Ausgenommen davon sind Fahrzeuge, die ausschließlich auf (privaten) Rennstrecken oder anderen Motorsportevents eingesetzt werden. Hier ist eine Zulassungsfähigkeit nicht unbedingt nötig. So auch in diversen anderen Ländern außer Deutschland, deren Vorschriften über einen größeren Spielraum verfügen.

Bildquelle: philippluecke; NRMA Motoring and Services @ flickr